„Lesbische Sichtbarkeit“ in Hessen
Ein schöner Herbsttag im Oktober 2020. Zwei Frauen laufen mit dicken Mänteln und bunten Strickmützen durch einen Park. Am Ententeich bleiben die beiden stehen und küssen sich liebevoll. Hier und da ein scheuer Blick von anderen Parkbesuchern, aber den meisten ist es einfach egal, dass es, aus welchen Gründen auch immer, gleichgeschlechtliche Liebe gibt und dieses die Ausnahme ist, weiß heutzutage beinahe jedes Kind und keiner macht ein großes Aufsehen darum.
Anders in Politik und Medien. Gebetsmühlenartig wird uns beinahe täglich über schlimme Benachteiligung und Diskriminierung Homosexueller berichtet. Jeder oder jede, die sich „outet“, wird gefeiert und nicht selten mit Geldgeschenken belohnt. Zuletzt geschehen in Kassel, als die Sozialpädagogin Veronica King (ihres Zeichens schwarz und lesbisch) den ersten mit 10.000 Euro dotierten Preis für „lesbische Sichtbarkeit“ erhielt. „Sie ist Vorbild für viele junge Menschen, gerade auch in ländlichen Regionen Nordhessens“ fabulierte Sozialminister Kai Klose (Grüne) zur Würdigung der Aktivistin. Wieso eine sexuelle Neigung oder deren Publikmachung jungen Menschen auf dem Lande zum Vorbild dienen soll, verriet Herr Klose nicht.
Frau King sei als schwarze lesbische Frau sichtbar, teile ihre Erfahrungen und arbeite mit viel Energie daran, Strukturen weiterzuentwickeln, hieß es zur Begründung. Insgesamt waren 12 Organisation und Personen für den Preis vorgeschlagen worden. Dazu zählten unter anderem die Besitzerin einer Lesben-Bar, das Frauen-Museum, das Lesbenarchiv Frankfurt und singende „Liederliche Lesben“. Doch die gingen, wie auch die „Lesben gegen Rechts“ leer aus. Doch schon in zwei Jahren wird dieser überflüssige Preis ein zweites Mal vergeben. Neues Spiel, neues Glück.