Anzahl der Zombiefirmen in Deutschland steigt weiter an
In letzter Zeit geistert immer öfter der Begriff Zombiefirmen durch die Zeitungen und hinterlässt nicht nur aufgrund seines Namens einen bedenklichen Beigeschmack. Aber was sind Zombiefirmen? Als Zombiefirma wird eine Firma bezeichnet, die insolvent ist, aber dennoch weiter läuft. Im Normalfall würde man sich jetzt als Firmeninhaber insolvent melden, doch seit Anfang des Jahres gibt es da eine weitere Möglichkeit: Die Bundesregierung beschloss ein Gesetz, nachdem ein völlig überschuldetes Unternehmen keinen Insolvenzantrag mehr stellen muss. Ist das Unternehmen auf Grund der Folgen der COVID-19-Pandemie zahlungsunfähig oder überschuldet, so ist die Insolvenzantragspflicht bis 30. September 2020 (alter Stand) ausgesetzt. Der Hintergrund mag gewesen sein, um ein vielleicht durch die Corona-Regelungen ruiniertes Unternehmen zu erhalten und es später, nach Corona, wieder aufleben zu lassen. Darüber kann man sich streiten, ob das sinnvoll ist oder nicht, auf jeden Fall sehen die Statistiken besser aus.
Verlängerung der umstrittenen Regelung
Nun verlängert die Bundesregierung die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bis zum Ende des Jahres. Bis zu diesem Zeitpunkt rechnet das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) mit sage und schreibe 4300 Zombiefirmen, die künstlich am „Sterben“ gehindert werden. Statistisch gesehen freut und jubelt Patrik-Ludwig Hantzsch von der Wirtschaftsauskunftei Creditreform: „Sie war im ersten Halbjahr um über acht Prozent niedriger als im Vorjahreszeitraum”. Das Statistische Bundesamt geht für Juli sogar von einem Rückgang der Insolvenzen um 30 % aus. Ob man sich darüber freuen kann, sei einmal so dahingestellt, schließlich ist und bleibt es nichts weiter als Augenwischerei. Hantzsch formulierte es so: “Wenn kein Unternehmen ausscheidet, heißt das im Grunde genommen, es wird nicht mehr unterschieden zwischen guten und schlechten Geschäftsmodellen.” Genau hier liegt aber für die Zukunft der Hase im Pfeffer, denn sollte die Wirtschaft wieder anrollen und es würde Normalität eintreten, so wüsste ja kein Unternehmen, ob das andere überhaupt zahlungsfähig ist oder nicht. Lässt man sich sodann unwissend auf ein Zombieunternehmen ein, so bekommt man unter Umständen kein Geld für Leistungen und es drohen so genannte Anschlussinsolvenzen. Ein böser Rattenschwanz.
Klaus-Heiner Röhl vom IW sieht noch ein weiteres Problem kommen, und zwar eines, das durch das Aussetzen einer Insolvenzantragspflicht ebenfalls nach hinten hinaus geschoben wurde. Wenn dieses Gesetz ausläuft, folgen viele Insolvenzen. Die Banken sind meist die Gläubiger solcher Unternehmen. Röhl wagt folgende Prognose für die Banken: “Sie sind Gläubiger dieser insolventen Unternehmen, und damit besteht dann auch wieder die Gefahr einer Bankenkrise.”
Offene Statistikfälschung
Nun hat sich das IW Köln und der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) zusammen gesetzt und diese Katastrophe einmal genauer analysiert. Für den Wirtschaftseinbruch in der ersten Hälfte des Jahres sei schon alleine ein Anstieg der Insolvenzen von 15 % zu erwarten. Da diese aber außer Kraft gesetzt wurden, erscheint das in der Statistik wie der Wolf im Schafspelz, in einem anderen Licht. Unter diesen Umständen geht die Statistik von einem Rückgang der Insolvenzen von 8% aus. Also genau das Gegenteil dessen, was tatsächlich geschieht. Bei Statistikfanatikern knallen hier die Sektkorken, denn offensichtlich geht es in Deutschland, zumindest nach Statistik, steil bergauf!
Diese Trickserei und die Weiterführung der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht könnte auch mit Kalkül genährt sein, schließlich ist 2021 ein Bundestagswahljahr. Vor diesem Hintergrund machen sich schöne Statistiken immer gut, um sich im schillernden Gewand zu präsentieren. Aber des Kaisers neue Kleider können nicht alle täuschen. Wer diesen Schwindel durchschaut, erkennt das wahre Gesicht einer kapitalistischen und räuberischen Politikriege, der das Wohl des deutschen Volkes absolut egal ist, so lange nur ihr Geldsäckchen fleißig klingelt.