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Zwangsticket für Berlin

18.06.2020 - 05:00

Die rot-roter-grüne Senatsmehrheit diskutiert über ein Zwangsticket für alle Berliner, angeblich, um den Ausbau des Streckennetzes zu finanzieren. Diese Mehrbelastung kommt aber bei der Berliner Bevölkerung („arm aber sexy”) nicht gut an. Denn die dann mindestens fälligen 761 Euro pro Jahr entstehen auch für die, die im Randgebiet wohnen und nur mit dem Auto fahren können. Eine Summe, die vor allem Familien und Geringverdiener stark belasten dürfte, die bereits durch die explodierenden Mieten in der Hauptstadt entsprechend gebeutelt werden.

Bei dem an sich sinnvollen Zweck des „Ausbau der Strecken” bleiben angesichts so sinnfreier Linien, wie die etwas mehr als anderthalb Kilometer lange U 55 („Kanzler U-Bahn”), auch Fragezeichen. Das bekannte Prestigeobjekt wurde für die rot-grüne Schröderregierung gebaut und kostete den Steuerzahler rund 650 Millionen Euro. Die Paradestrecke des Kaschmirkanzlers läuft parallel zur seit dem Kaiserreich vorhandenen S-Bahn und wurde nur vom 8. August 2009 bis zum 17. März 2020 betrieben. Dieses Microgleissystem mit seinem marmornen Designerbahnhof “Bundestag” muß nun irgendwie in die westliche Verlängerung der U5 “integriert” werden und das muß wohl oder übel von irgendjemandem finanziert werden.

Statt Projekte wie den kostenfreien oder zumindest kostengünstigeren Öffentlichen Nahverkehr zu fokussieren, wird hier die gesamte Bevölkerung weiter für Ziele belastet, über deren konkrete Planungen noch nichts bekannt ist. Angesichts der bisherigen Nutzung solcher Gelder – neben der bereits erwähnten U 55 hat etwa der Flughafen BER eine traurige Berühmtheit erlangt – darf man jedoch davon ausgehen, dass die Gelder nicht dem Volk, sondern Prestigeobjekten zu Gute kommen.

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