Die Weggefährtin #049: Holunder – Legende und Heilmittel (Teil 1/2)
Der vielseitige und geheimnisvolle Holunderbusch begleitet uns seit prähistorischen Zeiten und war stets Lieferant von allerlei Heilmitteln, die aus allen Pflanzenteilen gewonnen werden können. Er ist nicht wegzudenken aus der Naturheilkunde; heutzutage werden –im Gegensatz zu früheren Zeiten– jedoch fast nur noch die Blüten verwendet. Greift man jedoch auf alte Rezepte zurück, kann man auch die Blätter, Beeren, Wurzel und die Rinde sehr gut nutzen. Die Blätter und die Rinde erntet man bevor die Blüten blühen, die Blütezeit ist –je nach Gegend– meist zwischen Mai und Juli. Wurzelteile können im Frühjahr und im Herbst gesammelt werden. Tatsächlich beschenkt uns der Holunder aber zwei Male im Kalenderjahr reichlich mit Süßem; im Frühjahr mit weißen Blüten und im Herbst mit schwarzen Beeren.
Legenden und Mythen des Holunders
Unzählige Legenden und Mythen begleiten den Holunder seit Jahrhunderten. Seinen Namen hat der Holunder von der Erdgöttin Holda/Frau Holle und bedeutet „die Strahlende“. Er diente früher schon als Schutzstrauch und wehrte böse Geister und Dämonen ab. Deshalb war es Sitte, den Holunder in die Nähe des Hauses zu pflanzen, aber nie unter dem Schlafzimmerfenster, da der Duft die Sinne benebelt. Man sagt, die Göttin Freya wohnt in einem Holunderbusch. Legte man Opfergaben wie Lauch, Brot, Eier oder Milch unter den Strauch, blieb man vor Krankheiten und negativen Energien verschont. Der aus Holunderholz gefertigte Riegel einer Stalltür sorgte dafür, dass dem Vieh kein Leid geschah.
Fällt man einen Holunderstrauch jedoch ohne triftigen Grund, so folgt Krankheit oder Tod daraus, gestattet war dies nur Witwen oder Kindern. Wer Holunderholz verbrannte, sollte ein ganzes Jahr Zahnschmerzen bekommen. Das Beißen auf einen Holunderzweig soll Zahnschmerzen vertreiben. Das Umarmen eines Holunderstrauches brachte kinderlosen Frauen Nachwuchs und auch im Tode begleitete der Holunder die Menschen, denn das Sargmaß wurde mit einem Holunderstock genommen. An den Blüten des Holunders lasen die Bauern die Reichhaltigkeit der Ernte ab.
Die Kraft des Holunders
Die Holunderblüten wirken schweißtreibend, fiebersenkend, harntreibend, schleimlösend, entzündungshemmend, schmerzlindernd, aber auch bei Schlaflosigkeit und Stoffwechselproblemen. Sie enthalten reichlich Vitamin A, B und C und sind bei keiner Erkältung wegzudenken. Für den Erkältungstee (“Schwitztee”) werden getrocknete Blüten verwendet und am besten mit Lindenblüten kombiniert.
Bauernregeln:
“Wenn der Holunder blüht, legen die Hühner weniger Eier.”
“Wenn der Holler blüht, wird der Boden nicht trocken.”
“Wenn der Holunder blüht, sind die Bienen müd.”
“Blüht im Juni der Holler, wird die Liebe immer toller.”
“Wie der Holunder blüht, Rebe auch und Lieb’ erglüht. Blühen beid’ im Vollmondschein, gibt’s viel Glück und guten Wein.”
“Unter einem Hollerbusch zu schlafen, soll sehr heilsam sein”.
Rezepte:
Holunderblütengelee mit Apfelsaft
Man gibt die gesammelten Holunderblüten (ca. sechs komplette Blütendolden) mit etwas Zitronensaft und 1 Liter Apfelsaft (es kann auch Wasser verwendet werden) in einen Topf und lässt dieses über Nacht ziehen.
Am nächsten Tag wird das Gemisch von seinen festen Bestandteilen abgeseiht und aufgekocht. Nun mit Geliermittel vermengen, noch einmal aufkochen lassen und in saubere Gläser abfüllen. Fertig ist das Gelee.
Holunderblütenteig
150 g Mehl mit 3 Eigelb, 200 ml Milch oder Wasser und einer Prise Salz in einer Schüssel zu einem flüssigen Teig verrühren und 20-30 Minuten ruhen lassen.
Nun wird Eiweiß mit Vanillezucker steif schlagen und unter den Teig gehoben. Öl in einer Pfanne erhitzen. Blütendolden einzeln in den Teig tauchen und goldgelb ausbacken.
Holunderlimonadensirup
Etwa 20 komplette Blütendolden mit 3 Litern Wasser übergießen, 8 g Zitronensäure und 3 in Scheiben geschnittene ungespritzte Zitronen hinzufügen. Zwei Tage und zwei Nächte stehen lassen, danach abseihen. 3kg Zucker einrühren, bis dieser komplett aufgelöst ist. In Flaschen abfüllen und kühl stellen. Als sommerliches Erfrischungsgetränk mit Wasser verdünnt genießen.
Aber nicht nur als Rezept in der Küche, sondern auch in der Körperpflege hat der Holunder sein Einsatzgebiet. Egal ob als Fußbad mit sechs Dolden, oder als Gesichtsreinigung mit drei gehäuften Teelöffeln getrockneter Holunderblüten.
Auch dient der Holunder –in Kombination mit Hafermilch und Kokosblütenzucker– als Einschlafhilfe. Um bei einer Erkältung die Nase frei zu bekommen, kann man mit acht gehäuften Teelöffeln getrockneter Holunderblüten eine Inhalation vorbereiten. Das Dampfbad ist auch bei unreiner Haut sehr empfehlenswert.
Der Holunder
An einem weißen Holda-Strauch,
mit Götter-Doldenblüten,
da reift ein federleichter Hauch,
um Menschen zu behüten.
Der Holler wächst mit Wunderkraft,
in weichen Flötentönen,
er zaubert holden Beerensaft,
um Früchte zu verschönen.
So manche Hexe zieht kein Hut,
sie bricht ihn für den Besen,
und braut aus vollem Übermut,
das Leid für „arme Wesen.“
Doch wer am nahen „Zauber“ ruht,
verfällt dem Glanz der Träume,
dem geht es ganz und gänzlich gut,
im Schutze – der Holunderbäume.
Gabriela Bredehorn
Unser Frauenblog ”Weggefährtin” ist eine regelmäßige erscheinende Kolumne von Frau zu Frau in unterschiedlichen Ausprägungsformen auf der Netzseite des III. Wegs, die unser Wirken und Sein innerhalb der Partei ergänzend darstellt.
Bei Interesse: Weggefaehrtin@der-dritte-weg.net
Quelle der Bauernweisheiten: www.asters-holunderhof.de



