Vergessene Geschichte: Amerikanisches Gefangenenlager bei Fürstenfeldbruck
Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges errichteten die Amerikaner großflächige Lager für Kriegsgefangene. Hier wurden Wehrmachtssoldaten, Hitlerjungen und sonstige Gefangene unter unmenschlichen Bedingungen interniert. Auch zwischen Emmering und Fürstenfeldbruck wurde auf einem Kartoffelacker das sogenannte „Oklahoma P.O.W. Camp“ errichtet. Hier wurden bis zu 70 000 Deutsche auf einem schlammigen Acker zusammengepfercht. Weit über 3000 Menschen starben an den katastrophalen Lagerbedingungen, nur die Solidarität der Anwohner verhinderte Schlimmeres. Heute erinnert nur noch ein unscheinbarer Gedenkstein an das Elend der Gefangenen.
Alliierte Kriegsverbrechen – Krasser Gegensatz zum Mythos der „Befreiung”
Wenn heute über das Kriegsende berichtet wird, überschlagen sich „unabhängige Journalisten“ und Politiker fast vor Lobpreisungen auf die US-Armee. Gerne werden die amerikanischen Soldaten als gutmütige Kumpel dargestellt, die den armen Deutschen Schokolade und Geschenke brachten und sie aus der Tyrannei befreiten. Doch wer genauer nachforscht, findet schnell Erzählungen, die nicht ins Bild passen. Oftmals handelt es sich nur um kurze Artikel in kommunalen Gazetten, doch aus den vielen kleinen Berichten setzt sich für Stück für Stück ein Mosaik zusammen, das uns das gängige Geschichtsbild revidieren lässt.
Wer den amerikanischen Truppen in die Hände fiel, musste mit dem Schlimmsten rechnen. So geschehen beispielsweise am 30. April 1945 in Haar, bei München. Die bayerische Landeshauptstadt war bereits gefallen und einige verbliebene Einheiten der Verteidiger der „Stadt der Bewegung“ hatten sich in Richtung Ebersberg zurückgezogen. Im Chaos der Zeit des Kriegsendes hatte sich ein Trupp bestehend aus sechs Waffen-SS Männern, bis auf einen 40-Jährigen alles junge Burschen, im „Pflegerhaus“ an der Wasserburger Landstraße einquartiert. Am Morgen des 01. Mai trafen die Amerikaner in Haar ein. Die Deutschen hatten ihre Waffen abgelegt und kamen den US-Soldaten mit erhobenen Händen entgegen. Als die Amerikaner erkannten, dass es sich um Männer der Waffen-SS handelte, trieben sie die jungen Männer auf die andere Straßenseite. Zivilisten versuchten, den Amerikanern klarzumachen, dass es sich um sogenannte „Pflicht-SS-Soldaten“ handelte, doch die Amerikaner kannten keine Gnade. Ohne jedes Zögern wurden die Männer an Ort und Stelle erschossen. Einer der Ermordeten war der 19-jährige Pfälzer Emil Otterstetter, der zum Sanitäter ausgebildet wurde. 1989 weigerte sich die Süddeutsche Zeitung einen Bericht über das Geschehen abzudrucken.
Am 30. April starb auch der Wehrmachtssoldat Georg Kersten. Er war mit seinem Kameraden Gustav Jahn in Forst, zwischen Weilheim und Schongau unterwegs. Ihre Einheit war vom Kommandanten einfach aufgelöst worden und so befanden sie sich auf der Suche nach einer Meldestelle. Als sie auf der Straße in Forst auf die Amerikaner trafen, gingen sie ihnen „mit erhobenen Händen, ein weißes Tuch hochhaltend“, wie es in einem Zeugenbericht heißt, entgegen. Sie waren unbewaffnet und trugen abgerissene Uniformen. Im Augenzeugenbericht von 1951 wird das weitere Geschehen so geschildert: „Sofort stürzten sich die amerikanischen Soldaten auf die beiden deutschen Soldaten. Sie wurden durchsucht, mit Fußtritten traktiert und zum Schluss an die Wand der Kegelbahn gestellt.“ Dann fielen Schüsse und die Deutschen waren tot. Einen offensichtlichen Grund für die Erschießung gab es nicht.
Wer die „Niemandszeit“ nach der Kapitulation überlebte, wurde von den Amerikanern inhaftiert. Hier begann für viele ein wahres Martyrium.
Das „Oklahoma P.O.W. Camp“ bei Fürstenfeldbruck

Für die Behandlung von Kriegsgefangenen gelten die Bestimmungen der Genfer Konventionen. Am 26. April 1945 hatten die Amerikaner jedoch einen Status geschaffen, um ihre Gefangenen ungestraft entrechten zu können. Mit dem Begriff „DEF“ – „Disarmed Enemy Forces“ schafften die Amerikaner einen neuen Status. Überall im amerikanisch besetzten Gebiet entstanden Konzentrationslager, in denen alle eingesperrt wurden, die in irgendeiner Weise verdächtig waren. Bekannte Lager sind die Rheinwiesenlager oder dank einer Kampagne von Aktivisten des Stützpunktes Nürnberg-Fürth auch das Lager in Langenzenn bei Fürth.

Gefangene aus dem Großraum München wurden im sogenannten „Oklahoma P.O.W. Camp“ festgehalten. Bei dem Gefangenenlager handelte es sich um einen Kartoffelacker, der etwa 40 Fußballfelder groß war. Ein weißes Band markierte die Lagergrenze. Als das Lager errichtet wurde, fanden die Gefangenen Ende April 1945 einen nassen, teils gefrorenen Acker vor, in dem teils schon Kartoffelsetzlinge eingebracht waren. Es gab weder Wasser noch Essen. Die Gefangenen wurden auf überfüllten LKWs herangekarrt. Immer mehr und mehr wuchs die Anzahl der Gefangenen, Schätzungen zufolge sollen bis zu 70 000 Menschen hier eingesperrt worden sein. Grade in den ersten Tagen waren die Bedingungen unmenschlich. Das Wachpersonal schoss bei jeder Gelegenheit auf die Gefangenen, manche starben, weil sie sich nachts eine Zigarette angezündet hatten, andere weil sie ihre Notdurft am Lagerrand verrichten wollten. Da die Besatzer keine Nahrung ausgaben, aßen die Gefangenen die rohen Kartoffelsetzlinge. Um den Durst zu stillen, kratzten die Männer Reif von den Decken. Als endlich ein Tankwagen mit Wasser kam, brachen viele Männer aus Erschöpfung in der Schlange zusammen. Die erste Essensausgabe war eine Dose Gemüse und Fleisch und eine Dose Kekse. Das sollte für zwei Tage reichen. Nach Zeitzeugenschätzungen starben jede Nacht 300 Männer überwiegend an den Folgen der Entbehrungen.
Die Amerikaner taten nichts, um die katastrophale Lage der Gefangenen zu verbessern. Alte Wehrmachtsplanen wurden zurückgehalten und erst am 09. Mai ausgegeben. Erst Ende Mai, Anfang Juni besserte sich die Lage, als das Rote Kreuz dem Lager einen Kontrollbesuch abstattete. In der Folge wurde der Kommandant Major Strauss, der viele Grausamkeiten angeordnet hatte, versetzt. Er gehörte der berüchtigten „Rainbow-Division“ an, die für viele kaltblütige Erschießungen bekannt war. Angehörige der Divison pflegten die Selbstdarstellung „Einer schießt, zwei plündern und drei malen Regenbogen“.

In diesem Hof bei Esting wurden Ochsen von den Anwohner für die Gefangenen geschlachtet
Die entsetzte Bevölkerung tat, was in ihrer Macht stand, um ihren Volksgenossen zu helfen. So zog der damals zehnjährige Bube Robert Weinzierl einen Handwagen voller Kartoffeln zum Lager. Er hatte sie mit einem Freund bei einem Bauer geklaut und seine Mutter hatte die Kartoffeln gewaschen. Dann warfen sie die Kartoffeln über den Zaun. Den Kindern taten die Amerikaner nichts, doch für Erwachsene wäre diese Hilfsaktion wohl tödlich ausgegangen. Später organisierten Bürger konzertierte Hilfsaktionen. So wurden 16 Ochsen geschlachtet, die noch von den Luftwaffen-Einheiten in einem Stall in Esting untergestellt worden waren. Daraus wurde eine Suppe gekocht und in Bottichen auf Fuhrwerken zu dem Lager gekarrt. In den Kirchen wurden Spenden gesammelt, um die Gefangenen weiter versorgen zu können.
Im Juni 1945 wurde das Lager aufgelöst. Für die Gefangenen im „Cage 12“, ehemalige Angehörige der Waffen-SS oder NSDAP-Funktionäre, war die Tortur jedoch noch nicht vorbei. Sie wurden in die Lager in Dachau und Bad Aibling überstellt.
Unsere Stimme für die Ahnen – Gegen das Vergessen

Ende Januar häufen sich die Gedenkveranstaltungen. Während ein Bundespräsident Steinmeier in Yad Vashem eine Rede auf Englisch hält, um nicht in der Sprache der „Täter“ reden zu müssen, legen in Fürstenfeldbruck Menschen Steine nach jüdischem Brauch nieder. Der Duktus der Reden ist gleich, man müsse aus der Geschichte lernen. Die Lehre aus der Geschichte sei, „Rechtsextremismus“ keinen Platz zu lassen. „So etwas“ dürfe sich nicht wiederholen. Man müsse den „Befreiern“ dankbar sein.
Kein Wunder, dass von den Lagern und Erschießungen der Amerikaner nicht die Rede ist. Denn aus ihnen folgt die Erkenntnis, dass die Mörder nie bestraft wurden. Vielmehr fahren sie fort, nur heute nicht mehr in Deutschland, sondern in Syrien oder dem Irak. Komischerweise ist für Herrn Steinmeier Englisch keine „Tätersprache“. Die Opfer unseres Volkes drohen heute in Vergessenheit zu geraten. Kein Geschichtsbuch und kein Staatsmedium wird ihnen Gehör schenken. Während andere stets laut klagten und mit erhobenem Zeigefinger um sich deuteten, haben unsere besiegten Ahnen stets geschwiegen und still ihr Los ertragen. Es liegt an uns, volkstreuen Deutschen, die Opfer unserer Ahnen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Wir legen unsere Kerzen für euch nieder – ihr lebt in unseren Herzen fort!