„Soja zerstört den Regenwald“
Einige kennen vielleicht diesen Ausspruch. Gerade Leuten mit einer veganen oder vegetarischen Ernährungsweise ist dieser Spruch sicherlich in Form von „…eure Sojaprodukte zerstören den Regenwald…“ bekannt. Nun ist nicht von der Hand zu weisen, dass große Teile des Regenwaldes für die Sojaproduktion gerodet werden und eben diese Rodungsflächen nicht kleiner, sondern eher beständig größer werden.
Wofür geht aber der Großteil der besagten Sojaproduktion drauf?
Laut dem „Rettet den Regenwald e.V.“ gehen lediglich nur 2% des erzeugten Sojas an den Menschen direkt. Die anderen 98% werden an Tiere verfüttert, die dann zur Nahrungsgewinnung geschlachtet werden. Jedem, dem dieses Verhältnis zu krass erscheint und somit vielleicht sogar unglaubwürdig, steht es frei, selbst zu recherchieren. Und egal ob nun 2%, 5% oder 10%, es ist einfach nur ein geringer Bruchteil, der direkt vom Menschen verzehrt wird. Das Argument, Veganer oder Sojaprodukte zerstören den Regenwald, ist hier also haltlos. Im Gegenteil, morgens Wurst, mittags Fleisch, abends Fleisch, zwischen den Mahlzeiten noch eine Bratwurst vom Imbiss, das zerstört den Regenwald. Jeden Tag – 24 Stunden, sieben Tage die Woche – Fleisch und Fleischprodukte, gerade durch einfache Fertig- und Tiefkühlkost, das zerstört den Regenwald. Regelmäßig zu McDonald’s, Burger King, KFC und Subway, das zerstört den Regenwald und nicht die Leute, die sich einer alternativen Ernährungsform angenommen haben.
Es ist hier wichtig, dass sich gerade Leute, die etwas verändern wollen, die sich als „Naturfreunde“ oder „Tierfreunde“ betiteln, die Nachhaltigkeit und Heimatliebe predigen, die sich solidarisch mit schlimmen Ereignissen auf dieser Erde stellen, die Moral als etwas empfinden, was nicht überholt ist, denen, welchen dieser ganze Planet einfach nicht komplett am Arsch vorbei geht, auf die Fahne schreiben müssen, ihr Leben einfach bewusster zu leben.
Wenn ich persönlich nichts an mir verändere, dann wird sich auch am Ist-Zustand um mich herum nichts ändern. Alles hängt miteinander zusammen, die kleinsten Dinge des Alltags, mit den größten Problemen auf dieser Erde und auch, wenn der momentane Tenor immer und überall meint, dass sich alleine eh nichts ändern lässt, dann ist das Blödsinn. Dieser Spruch ist ein Sinnbild für Leute, deren Heiligstes ihre persönliche Komfortzone ist. Mit dem Wunsch von Veränderung oder gar revolutionär zu sein hat dies nichts, aber auch rein gar nichts zu tun. Als ein paar kleine Beispiele seien hier genannt:
1. Ich brauche mich nicht über die schlechten Lebensbedingungen von Straßenhunden in Osteuropa aussprechen, während mir Punkte wie Massentierhaltung im eigenen Land total egal sind. Denn an dem Punkt Massentierhaltung etwas zu ändern, habe ich jeden Tag in der Hand, während man wahrscheinlich nur einmalig im Leben 20 Euro zu Projekten für Straßenhunde in Osteuropa überweist. Das ist natürlich keine Sache von entweder oder, sondern von der eigenen moralischen Flexibilität und der eigenen Glaubwürdigkeit sich selbst gegenüber. Einfach wie ernst man Dinge wirklich meint oder ob man nur mal fix auf einen emotionalen Zug springt, der gerade vorbeifährt, um sofort am nächsten Halt Zug und Bahnhof wieder fluchtartig zu verlassen und nichts mehr davon hören will.
2. Ich brauche mich nicht darüber beschweren, „wie ekelhaft und unmoralisch Leute im asiatischen Raum sind“, weil dort z. B. Hunde (um beim Thema von Punkt 1 zu bleiben) gegessen werden, während ich heute selbst schon ein Schweineschnitzel zum Mittag und eine Tüte Chicken Wings zum Abendbrot hatte. Natürlich alles aus Massentierhaltung, während der Hund im Käfig auf dem asiatischen Markt ein absoluter Tabubruch ist – schon klar.
3. Ich brauche mich nicht gegen Ausbeutung und für Menschenrechte aussprechen, aber gleichzeitig regelmäßig das Billigste vom Billigen konsumieren.
Es gibt nun einmal Dinge, die nicht zusammen passen. Dadurch, dass man bewusster lebt, deckt man ganz allein Widersprüche in seinem eigenen Handeln auf. Diese Widersprüche müssen abgearbeitet und weitestgehend aus dem Leben verbannt werden. Keiner ist von Anfang an perfekt und um Perfektion geht es auch nicht, sondern darum, sich stetig zu verbessern, indem man sich selbst und seine Handlungen und Ansichten reflektiert und sich auch mal kritisch hinterfragt, um dann genau dort etwas zu verändern, wenn es sein muss.
Lebt das Leben, aber lebt es bewusst!