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Syrische Armee räumt auf – Syrer kehren heim

15.09.2017 - 05:00

Im Krieg in Syrien hat das Tempo der syrischen Armee weiter an Fahrt gewonnen. Innerhalb der letzten Monate wurde ein Großteil des unter Kontrolle der Terrormiliz Daesh (ISIS) stehendem Territoriums zurückerobert. Insbesondere das Gouvernement Homs wurde zu einem Großteil von den Islamisten befreit. Auch aus den Distrikten Hama und ar-Raqqa wurde Daesh überwiegend vertrieben. In Aleppo ist Daesh nicht mehr vertreten.

In einer groß angelegten Offensive in Zusammenarbeit mit der libanesischen Armee wurden die Terroristen komplett aus der syrisch-libanesischen Grenzregion vertrieben. Dabei wurde auch eine Waffenruhe und Abzug in das Gebiet um Deir-ez-Zor gewährt. Der Konvoi der im Rückzug befindlichen Daeshkämpfer wurde jedoch von amerikanischen Fliegern angegriffen. Insbesondere der Irak ist äußerst beunruhigt über die Verlagerung der Terroristen, da ein verstärktes Eindringen in irakisches Territorium droht.

Bei ihrem zügigen Vormarsch ist es der syrischen Armee und ihren Verbündeten gelungen, das zusammenhängende Gebiet von Daesh zu zerschlagen. Mit der Einnahme von as-Suknah fiel eine der letzten Hochburgen in Homs.

Unter Kontrolle von Daesh im Landesinneren verbleibt lediglich ein Nadelöhr um die Stadt Uqayribat. Dies befindet sich geografisch etwa dort, wo eine starke Truppenpräsenz lange Zeit die wichtige Versorgungsroute an der Homs–Aleppo-Autobahn bedrohte. Das Gebiet geriet auch in die Schlagzeilen, da dort laut Daesh-Nachrichtenagentur Amaq ein russischer Hubschrauber abgeschossen wurde und zwei Insassen massakriert wurden. Ein Ausbruchsversuch von 350 Daesh-Kämpfern wurde von nur 25 Elitesoldaten der Einheit „ISIS-Hunters“ zurückgeschlagen, wobei insbesondere russische Nachtsichtgeräte von Vorteil waren. Der weitere Vormarsch der syrischen Armee wird durch massive russische Luftangriffe unterstützt.

Im ländlichen Raqqa versucht Daesh derzeit mit einem Alles-oder-Nichts-Angriff Ersatz zu schaffen gegen die Eliteeinheit Tiger Forces. Ein Ergebnis steht derzeit noch nicht fest.
Unterdessen rücken syrische Truppen bis auf 50 Kilometer auf Deir-ez-Zor vor.

In der Stadt Raqqa wird weiterhin blutig um jeden Stadtteil gekämpft. Die US-unterstützten Syria Democratic Forces (SDF) erobern die Stadt Stück für Stück von Daesh zurück. Die SDF-Führung schätzt die verbleibende Dauer bis zur vollständigen Eroberung der Stadt auf noch ein bis zwei Monate ein. (Stand 31.08.2017)

Unterdessen zeigt sich, dass die SDF weiterhin stark kurdisch dominiert bleibt. Entgegen dem in westlichen Medien kolportierten Bild einer multiethnischen und multireligiösen Fraktion bleibt der assyrisch-christliche und arabische Anteil eher untergeordnet. Erst kürzlich desertierten in der Manbij Region zwei Topkommandeure der Untereinheit Jund al-Haramayn Brigade, Ibrahim al-Banawi und Fayad al-Ghanem, beides Araber, zur syrischen Armee. Beide trafen sich auch mit dem Kommandeur der Tiger Forces, Suheil al-Hassan.

Die verschiedenen FSA-Einheiten sowie Hayat Tahrir al-Sham (al-Qaeida), die im Krieg aufgrund des Waffenstillstandes derzeit eine untergeordnete Rolle spielen, bereiten sich derweil offenbar auf neue Angriffe auf die syrische Armee vor. Im al-Rastan Kessel versuchten HTS-Kämpfer erfolglos, die Stadt Tal Darah einzunehmen. Laut einer Sprecherin des russischen Außenministeriums bereitet die Gruppe Shabab-al-Sunna unterdessen einen Giftgasangriff in Süd-Daraa vor. Laut der Sprecherin verfügt die Gruppe über einige Raketen mit chemischem Kampfstoff und will diese einsetzen, um die syrische Armee dafür verantwortlich zu machen. Die Waffen sollen sich in dem Waffendepot der Gruppe in der Stadt Busra al-Sham befinden.

Die langsame Normalisierung der Verhältnisse in den von Regierungstruppen kontrollierten Gebieten macht sich unterdessen bemerkbar. In Damaskus fand beispielsweise nach fünfjähriger Auszeit die 59. Internationale Damaszener Messe statt. Mit einem großen Konzert wurde die Messe eröffnet und 23 Staaten sind mit ihren Botschaften vertreten. In Aleppo wurde eine Messe für Frauen, unterstützt durch das syrische Tourismusministerium eröffnet und im griechisch-orthodoxen Tal wurden Renovierungsarbeiten an kulturellen Denkmälern begonnen, um die Kultur des Landes wieder stärker zu betonen.

Auch zahlreiche Zivilisten kehren in ihre Heimat zurück. Medienberichten zufolge kehrten allein im ersten Halbjahr 2017 440.000 Zivilisten zurück. Die meisten von ihnen gingen in die Städte Hama, Aleppo, Homs und Damaskus. Alle diese Städte befinden sich auf von der Regierung kontrolliertem Gebiet. Dabei handelte es sich um Binnenflüchtlinge, die im Land selbst auf der Flucht waren. Zudem kehrten seit 2015 300.000 Flüchtlinge aus den unmittelbaren Nachbarländern heim.

Abzuwarten bleibt jedoch, wie viele Syrer aus Europa zurückkehren werden, da insbesondere die Bundesregierung eher eine weitere Abwanderung, unter anderem durch Förderung des Familiennachzugs, forciert. Es wird sich zeigen, wie viele Syrer tatsächlich zum Wiederaufbau ihrer Heimat bereit sind, die ersten Schritte hierzu werden jedenfalls geschaffen!

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