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„Wohlstandskrankheiten“ – von der Konsumgesellschaft zerfressen

25.06.2019 - 04:00

„Nationale Reduktionsstrategie für Zucker, Salz und Fett“ – so nennt sich die Strategie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft für die Lebensmittelindustrie. Auf freiwilliger Basis sollen Konzerne insbesondere den Zuckergehalt von Lebensmitteln reduzieren. In Deutschland grassieren Wohlstandskrankheiten aufgrund des ausufernden Konsums ungesunder Lebensmittel, Tabakkonsum und schädlichem Gebrauch von Alkohol. Die liberale Gesellschaft vertraut darauf, dass Menschen selbst erkennen, dass sie sich mit ihrer Lebensweise schädigen. Nach dem liberalen Freiheitsbegriff sollen die Folgen ungezügelten Konsums sogar noch eine „freie Wahl“ sein.

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) ist stolz auf sich: Der Nestle-Konzern ist auf ihre Reduktionsstrategie für Zucker, Salz und Fett eingegangen und beabsichtigt, entsprechend seine Produkte zu bearbeiten. Das war Klöckner glatt eine gemeinsame Pressekonferenz mit einem Nestle-Manager wert. Ein gutes Beispiel dafür, wie eng Wirtschaftslobbyisten in der BRD mit der Politik verquickt sind. Zum einen stellt die offizielle Erklärung mit der Ministerin natürlich eine gute Werbung dar, zum anderen zeigt die Freiwilligkeit der Maßnahme, dass die Regierung nicht bereit ist, hart durchzugreifen, um sich für die Volksgesundheit einzusetzen.

Für viele Deutsche ist es heute undenkbar, Wasser zu trinken. Es ist ja ohne Geschmack. Schon morgens wird die Cola-Flasche im Supermarkt nebenan geholt, wenn es mal etwas Gesundes sein soll, dann gibt es einen Saft im Tetrapack. Im üblichen Warenkorb sind dann auch stets Kartoffelchips, Schokolade, Fertigpizza und andere Fertiggerichte zu finden. Das Mittagessen wird dann gerne im Schnellimbiss eingenommen, bei McDonalds, Burger King oder Subway. Am Nachmittag wird die Schokolade verzehrt, nach der abendlichen Fertigpizza geht es ins Kino, wo dann Nachos mit Käseüberzug nicht fehlen dürfen. Ein Konsumverhalten, das heute nicht ungewöhnlich ist und Folgen nach sich zieht.

Über die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland gilt als übergewichtig, fast ein Viertel ist krankhaft adipös. Bereits 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind übergewichtig, sechs Prozent adipös. Übergewicht stellt einen Risikofaktor für viele Zivilisationskrankheiten dar. Gefäßerkrankungen wie die koronare Herzkrankheit oder der Schlaganfall fallen darunter, aber auch Gelenkerkrankungen oder sogar psychische Erkrankungen wie Depressionen. Um eine wirkliche Änderung zu erzielen, müssten Ernährung und Lebenswandel oftmals radikal umgestellt werden, doch viele Menschen sind dazu selbstständig nicht mehr in der Lage.

Da die Märkte lange Zeit freies Spiel hatten und immer noch weitreichende Freiheiten haben, konnten sie sich willige Konsumsklaven erziehen. Insbesondere die Manipulation von Kindern und Jugendlichen prägt diese dauerhaft auf bestimmte Produkte. Wer den Film „Supersize Me“ gesehen hat, weiß, wie perfide beispielsweise der McDonalds-Konzern arbeitet. Das Kindermenü mit Spielzeug, der fröhliche Ronald McDonald, die ersten Hamburger mit Pommes – fast jeder hat solche positiven Assoziationen zur „Gaststätte zum goldenen M“. Umso schwerer fällt es daher, die Schädlichkeit des Konsums von Fertigfraß zu realisieren. Im Kinderkanal läuft neben Werbung für Spielzeug Reklame für Süßigkeiten und stark zuckerhaltige Getränke rauf und runter.

Noch vor hundert Jahren war Wasser so ziemlich der einzige Durstlöscher. Gelegentlich ein Tee, ab und zu Bier, vielleicht noch ein Apfelsaft ohne Zuckerzusatz. Heute hingegen sind Cola, Sprite, Fanta und Co die übliche Wahl im Restaurant und wem das noch nicht genug Zucker ist, der kippt sich noch einen „Energydrink“ hinter die Binde. Der hohe Zuckergehalt tötet Geschmacksnerven ab und sorgt dafür, dass Dauerkonsumenten daher beispielsweise Wasser mit zugesetzter Zitrone als geschmacklos empfinden. Diabetes ist heute eine Volkskrankheit, aufgrund der verbreiteten Zuckersucht.

Für skrupellose Konzerne sind Konsumsklaven ein gutes Geschäft. Mit stark gesüßten Getränken lässt sich beispielsweise deutlich mehr Gewinn erzielen als mit Wasser. Die Zuckerabhängigkeit der Deutschen ist deshalb kein Zufall. Wer selber kocht, statt zum Schnellimbiss zu rennen, zahlt in Summe ebenfalls weniger. Denn das „Happy Super Sparmenü“ befriedigt nur kurz und im bestenfalls bestellt der Kunde gleich noch einen Cheeseburger, ein McFlurry und eine Apfeltasche hinterher, weil er nicht satt geworden ist. Hier lockt der große Reibach für internationale Konzerne!

Auch Tabak und übermäßiger Alkoholkonsum haben schlimme Auswirkungen auf die Volksgesundheit. Obwohl die Werbung für Glimmstängel heute in Kombination mit den Warnhinweisen auf den Packungen fast schon eine Verhöhnung der Konsumenten darstellt, bleiben viele unverdrossen. Gestatten, das schwarze Schaf in der Familie – daneben ein Bild von einem erblindeten Auge, da Rauchen das Risiko zu erblinden erhöht. Eine kleine Investition für große Nächte – daneben ein Toter auf der Bahre, als Verdeutlichung des erhöhten Schlaganfallrisikos. Den Konsumenten kann nichts mehr erschüttern.

Wer heute offenen Auges durch unser Land geht, sieht, wie sehr unser Volk degeneriert und abstumpft. Es profitieren einige wenige. Die Politik ist offenbar nicht bereit, hier eine Kehrtwende zum Wohle unseres Volkes einzuleiten. Nationalrevolutionäre sollten sich daher bewusst machen, dass die Revolution heute beim eigenen Konsumverhalten anfängt. Natürlich, der Kapitalismus verschwindet nicht von heute auf Morgen aufgrund des geänderten Konsumverhaltens. Aber wenn wir eine Alternative zu dem System schaffen wollen, müssen wir so unabhängig wie möglich von ihm werden. Wir müssen erkennen, wo wir uns selbst zerstören. Man muss sich nicht alles verbieten, aber schon bewusstes Einkaufen kann viel verändern. Was brauche ich wirklich? Was enthalten die Lebensmittel, die ich kaufe? Komme ich auch ohne zuckerhaltige Getränke aus? Macht denn Einkaufszettel zur Kampfansage an das kapitalistische System! Ein gesundes Volk statt dickem Profit der kapitalistischen Pfeffersäcke!

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